Die Rentabilitätsvorschau – auch Rentabilitätsplan oder Ertragsvorschau – zieht von deinem erwarteten Umsatz alle betrieblichen Kosten ab und zeigt, ob dein Vorhaben Gewinn abwirft. Plane drei Geschäftsjahre und rechne netto (als Kleinunternehmer die Kosten mit Umsatzsteuer). Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften muss das Betriebsergebnis deinen Unternehmerlohn und eine Reserve decken; bei GmbH und UG steht dein Geschäftsführergehalt in den Personalkosten.
Was ist eine Rentabilitätsvorschau (Rentabilitätsplan)?
Die Rentabilitätsvorschau, auch Rentabilitätsplan oder Ertragsvorschau genannt, ist der Teilplan deines Finanzplans, der den erwarteten Umsatz den erwarteten Kosten gegenüberstellt. Sie beantwortet eine Frage: Bleibt nach allen betrieblichen Kosten genug Gewinn übrig? Den Überblick über alle fünf Teilpläne gibt Finanzplan erstellen.
Laut Existenzgründungsportal hilft sie dir, zu prüfen, ob sich dein Vorhaben lohnt, Geldgeber zu überzeugen, Ziele festzulegen und später Plan und Wirklichkeit zu vergleichen. Sie sollte drei Geschäftsjahre umfassen. Verlangt wird sie unter anderem hier:
- Gründungszuschuss: Die fachkundige Stelle braucht laut Bundesagentur für Arbeit eine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau, mehr zum Gründungszuschuss.
- Bank: Sie prüft laut IHK Region Stuttgart auch die Kapitaldienstfähigkeit: Trägt der Gewinn Zins und Tilgung? Tipps: Bankgespräch vorbereiten.
Wie ist eine Rentabilitätsvorschau aufgebaut?
Umsatz minus Kosten ergibt das Betriebsergebnis. Alle Beträge stehen netto, denn die Umsatzsteuer ist ein durchlaufender Posten. Ausnahme: Als Kleinunternehmer kannst du keine Vorsteuer abziehen und trägst deine Kosten deshalb mit Umsatzsteuer ein, siehe Kleinunternehmerregelung. Die Zeilen folgen zusammengefasst der Checkliste des Existenzgründungsportals:
| Zeile | Was hineingehört |
|---|---|
| Erwartete Umsatzerlöse | alle Verkäufe und Honorare |
| – Wareneinsatz | entfällt bei reinen Dienstleistern |
| = Rohgewinn | Umsatz nach Wareneinsatz |
| + sonstige betriebliche Erträge | z. B. Mieteinnahmen |
| – Personalkosten | inkl. Nebenkosten; bei GmbH/UG inkl. Geschäftsführergehalt |
| – Raumkosten | Büro-, Laden- oder Werkstattmiete |
| – betriebliche Steuern, Versicherungen, Beiträge | z. B. Betriebshaftpflicht, Kammerbeitrag; keine Gewinnsteuern |
| – Kfz-, Werbe- und Reisekosten | Fahrzeug, Marketing, Reisen |
| – Büro, Beratung, Sonstiges | Telefon, Internet, Leasing, Reparaturen, Steuerberatung |
| – Zinsaufwendungen | nur Zinsen, keine Tilgung |
| – Abschreibungen | Wertverlust der Anschaffungen über die Nutzungsdauer |
| = Betriebsergebnis | Ergebnis vor Gewinnsteuern |
Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer und gegebenenfalls Gewerbesteuer gehen erst vom Betriebsergebnis ab.
Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften steht dein eigenes Gehalt nicht in den Personalkosten. Laut Checkliste soll das Betriebsergebnis deinen Unternehmerlohn decken und eine Liquiditätsreserve ermöglichen. Was zum Unternehmerlohn gehört – Lebenshaltung, Kranken- und Altersvorsorge, Rücklage für die Einkommensteuer –, zeigt die Portal-Checkliste „Unternehmerlohn ermitteln“.
Rechenbeispiel: Rentabilitätsvorschau für einen Dienstleister
Vereinfachtes, fiktives Beispiel mit frei gewählten Zahlen: Beraterin, Einzelunternehmerin ohne Kleinunternehmerregelung, ein volles Geschäftsjahr, netto.
| Position | Betrag |
|---|---|
| Umsatz (900 abrechenbare Stunden × 85 €) | 76.500 € |
| – Raumkosten (Coworking) | 3.600 € |
| – Versicherungen, Beiträge | 1.800 € |
| – Kfz-, Werbe- und Reisekosten | 5.400 € |
| – Telefon, Internet, Software, Büro | 1.800 € |
| – Steuerberatung | 1.500 € |
| – Zinsen | 600 € |
| – Abschreibungen (Laptop, Ausstattung) | 1.500 € |
| = Betriebsergebnis | 60.300 € |
| – Unternehmerlohn (12 × 3.800 €, inkl. Vorsorge und Steuerrücklage) | 45.600 € |
| = Überschuss für die Reserve | 14.700 € |
Achtung: Einkommensteuer und Beiträge zur freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung bemessen sich am Gewinn, hier 60.300 €, nicht an deinem Unternehmerlohn. Rechne Steuerrücklage und Vorsorge deshalb auf das ganze Betriebsergebnis.
Die Umsatzrentabilität (Gewinn vor Steuern × 100 ÷ Umsatz, so die Handelskammer Hamburg) liegt hier bei rund 79 %. Das täuscht, denn dein Unternehmerlohn ist noch nicht abgezogen. Bei nur 700 Stunden sinkt das Betriebsergebnis auf 43.300 € und deckt ihn nicht mehr. Deinen Stundensatz leitest du mit Preise kalkulieren her.
Was ist der Unterschied zum Liquiditätsplan?
Die Rentabilitätsvorschau zeigt, ob du Gewinn machst; der Liquiditätsplan zeigt, ob das Geld auf dem Konto reicht:
| Thema | Rentabilitätsvorschau | Liquiditätsplan |
|---|---|---|
| Umsatzsteuer | netto | brutto, mit Zahlungen ans Finanzamt |
| Anschaffungen | als Abschreibung verteilt | voller Betrag bei Zahlung |
| Kredit | nur Zinsen | Auszahlung, Zinsen und Tilgung |
| Gründungszuschuss, private Einlagen | kein Umsatz | Einzahlung |
| Gewinnsteuern | nicht enthalten | enthalten |
| Übliches Raster für Banken | Jahreswerte, mindestens drei Jahre | Monatswerte |
So beschreibt es eine Expertenantwort von 2017 im Existenzgründungsportal; für dich selbst rät sie, auch die Rentabilität monatlich zu planen. Die Kontosicht erklärt Liquiditätsplanung.
Wie planst du den Umsatz realistisch?
Der Umsatz ist die unsicherste Zeile, und die fachkundige Stelle prüft ausdrücklich, ob du ihn realistisch einschätzt:
- Menge × Preis: verkaufte Stück oder gebuchte Stunden mal Preis.
- Vergleichszahlen: Laut Existenzgründungsportal helfen Zahlen vergleichbarer Unternehmen, etwa von Branchenverband, IHK oder Handwerkskammer.
- Anlauf einplanen: keine volle Auslastung ab dem ersten Monat.
- Drei Szenarien: vorsichtig, realistisch, optimistisch.
Typische Fehler, Vorlagen und Werkzeuge
- Beträge brutto statt netto eingetragen (Ausnahme: Kosten bei Kleinunternehmern)
- Tilgung als Kosten gebucht oder größere Anschaffungen komplett im Kaufjahr angesetzt, statt sie abzuschreiben
- Unternehmerlohn oder Geschäftsführergehalt vergessen
- nur das erste Jahr geplant
- den Plan nach dem Start nie mit echten Zahlen verglichen
Als Vorlage dient die Checkliste Rentabilitätsvorschau (PDF) des Existenzgründungsportals; die IHK Region Stuttgart bietet den Zahlenteil als ausfüllbare Excel-Datei, das Businessplan-Tool der Gründerplattform erstellt die Vorschau aus deinen Eingaben.
Wenn du deinen Finanzplan nicht allein aufstellen willst, begleiten wir dich mit START.UP – sechs einzeln buchbare Bausteine.
Dieser Beitrag gibt den Stand Oktober 2026 wieder und ersetzt keine Steuerberatung.
Quellen und weiterführende Links
- Existenzgründungsportal des Bundes – Rentabilitätsvorschau
- Existenzgründungsportal – Checkliste Rentabilitätsvorschau (PDF, Stand Dezember 2025)
- Existenzgründungsportal – Checkliste Unternehmerlohn ermitteln (PDF, Stand Dezember 2025)
- Existenzgründungsportal – GründerZeiten Nr. 07: Businessplan (PDF, Stand Januar 2021)
- Existenzgründungsportal – Expertenantwort „Steuern im Businessplan wie aufführen?“ (März 2017)
- IHK Region Stuttgart – Rentabilitätsplanung
- Gründerplattform – Rentabilitätsplanung
- Handelskammer Hamburg – Kennzahlen zur Früherkennung von Krisen (Umsatzrendite)
- Bundesagentur für Arbeit – Gründungszuschuss beantragen
- Bundesagentur für Arbeit – Vordruck BA GZ 04: Stellungnahme der fachkundigen Stelle
- § 15 UStG – Vorsteuerabzug
- § 2 EStG – Umfang der Besteuerung (Gewinn als Einkünfte)
- § 15 SGB IV – Arbeitseinkommen
- § 240 SGB V – Beitragspflichtige Einnahmen freiwilliger Mitglieder
Stand: 28. Oktober 2026. Gesetze, Förderbedingungen und Plattformregeln ändern sich – maßgeblich ist jeweils die aktuelle Fassung der verlinkten Stelle.
Häufige Fragen
Für wie viele Jahre erstellt man eine Rentabilitätsvorschau?
Für drei Geschäftsjahre. Das dritte gilt laut Existenzgründungsportal als besonders kritisch, weil bei zinsgünstigen Förderdarlehen in der Regel genau dann die Tilgung beginnt. Sie steht zwar nur im Liquiditätsplan, muss aber aus dem Gewinn bezahlt werden.
Gehört mein Unternehmerlohn in den Rentabilitätsplan?
Bei GmbH und UG ja, als Geschäftsführergehalt in den Personalkosten. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften muss stattdessen das Betriebsergebnis den Unternehmerlohn decken.
Kommt die Einkommensteuer in die Rentabilitätsvorschau?
Meist nicht: Gewinnsteuern sind keine Betriebsausgaben. Existenzgründungsportal und IHK Region Stuttgart rechnen bis zum Ergebnis vor Steuern; manche Vorlagen, etwa die der Gründerplattform, ziehen die Steuern danach noch ab. Im Liquiditätsplan stehen sie immer.